Prüfungsflug: Endlich Pilot!

Nun ist es schon fünf Wochen her gewesen, dass ich meinen letzten Flug mit Sven B. durchgeführt habe – eine verdammt lange Zeit. Allerdings konnte ich meinen Antrag auf Prüfung auch nicht sofort zur Bezirksregierung nach Münster schicken, da mein KBA-Auszug veraltet war (der darf maximal ein Jahr alt sein – ich habe mir ja etwas länger Zeit gelassen …) und ich diesen zunächst neu beantragen musste. Das hat auch erst einmal 10 Tage gedauert. Dann kam noch eine Corona-Quarantäne und ein Kurzurlaub unmittelbar danach dazwischen; so vertagten der mir zugewiesene Prüfer Thomas Sch. und ich uns auf diese Woche, um einen Termin zu finden.

Ich wollte vor der Prüfung aber gerne noch einmal fliegen. Daher buchte mein Freund Andreas M. für heute die KD, um ein wenig Airwork zu machen. Gestern dann aber das Telefonat mit Thomas Sch., der meinte dass der heutige Mittwoch perfekt wäre, um mit dem Flugzeug nach Borkenberge zu kommen und dort die Prüfung zu beginnen. Ich berichtete ihm davon, dass die KD geblockt ist, Andreas aber sicher zu meinen Gunsten verzichten würde, und fragte ihn, ob es okay sei, wenn anstatt eines Fluglehrers Andreas die Cessna nach Borkenberge bringt und später wieder nach Dortmund zurückfliegt, die Zustimmung der Flugschule vorausgesetzt. Der Prüfer bejahte dies, ich telefoniere noch mit der Flugschule und Andreas, und die Sache war geritzt! Andy und ich verabredeten uns für 9:00 Uhr an der Flugschule.

Nachdem wir uns durch die Sicherheitskontrolle des Flughafens gekämpft hatten, tankten wir die C172 noch auf, und los ging es in Richtung Borkenberge (EDLB), wo wir auch 15 min später landeten. Toll, gleich eine deutliche Verspätung generiert, was zum Teil an der mittlerweile sehr lästigen Sicherheitskontrolle lag, zum anderen aber auch daran, dass wir zunächst Bordbuch und Schlüssel der Maschine vergessen hatten und ich daher das Prozedere zweimal durchlaufen musste. Andy und ich knobeln beizeiten noch aus, wer von uns beiden der größere Schussel ist 😉 In jedem Fall begann die Prüfung mit einer berechtigten Rüge ob der Verspätung…

Zunächst einmal gingen wir dann mit einem deutlich entspannteren Thomas Sch. daran, meine Flugplanung durchzugehen; ich erklärte ihm, was ich mir bei den einzelnen Abschnitten gedacht habe, wies die Vollständigkeit der Planung und das Vorhandensein des Kartenwerks nach, und auch die Berechnungen von Masse und Schwerpunkt fehlten nicht. Dann ging es zum Flugzeug.

Der Aussencheck gestaltete sich recht knapp, nur wenige Fragen wurden gestellt im Rahmen der „Mündlichen Prüfung“, diese aber auch zur vollen Zufriedenheit von mir beantwortet, und so konnte es losgehen. Ich arbeitete alle Listen penibel ab, vergaß nicht einmal den Transponder einzuschalten (grins) und führte ein zufriedenstellendes Abflug- und Notfallbriefing durch. Los ging es mit Ziel Flughafen Münster-Osnabrück (EDDG), wo wir einen Tiefanflug und Durchstartübung machen wollten.

So flogen wir zunächst auf das Autobahnkreuz Münster-Süd zu, folgten dann der A1 nach Norden, um auf den Pflichtmeldepunkt Whisky zu stoßen. Zuvor hatte ich mich beim Turm in Münster natürlich ordnungsgemäß angemeldet. Wir durften dann auch unmittelbar in die Kontrollzone Münster einfliegen, um in die Platzrunde zu gehen. Anderer Verkehr veranlasste den Turm, unseren Gegenanflug zunächst zu verlängern, dann durften wir unseren Anflug fortsetzen.

In einer Höhe von 300 ft (der Platz selbst liegt schon auf 157 ft), also knappe 50 Meter über der Piste, donnerten wir die Landebahn entlang, um danach wieder zu steigen und uns über Whisky zu verabschieden. Mit Funknavigation mittels VOR sollte es über das HMM-VOR nach Ahlen zur Firma Agrarflug gehen.

Geplant war für die Strecke eine Flughöhe von 2300 ft. Jedoch lag die Untergrenze der immer dichter werdenden Bewölkung deutlich darunter, sodass ich meinem Prüfer, der übrigens viele Tipps und Hilfestellungen gab, mitteilte, dass wir den Flug in der Höhe von 1800 ft fortsetzen werden – er war natürlich damit vollständig einverstanden. (Irgendwo dort gingen wir dann auch offiziell zu „Du“ über, nachdem das eh schon einige Male herausgerutscht war 😉 )

Das HMM-VOR überflogen wir, auch die Firma Agrarflug identifizierte ich schon vom weiten, der Thomas sah‘s gern und ward zufrieden. So konnten wir den letzten Abschnitt unseres „Ausfluges“ angehen. Das hieß aber erst einmal, das „Loch vom Dienst“ finden und über die Wolken steigen, denn für das anstehende Airwork ist es besser, eine etwas größere Höhe zu haben – falls etwas schiefgeht kann man sich nicht etwa länger auf den Aufprall freuen, sondern hat die Möglichkeit, eine z. B. ins Trudeln geratene Maschine wieder abzufangen.

Auf 3800 ft Höhe angekommen flogen wir also unsere Kurven und leiteten den überzogenen Flugzustand ein, ganz nach Prüfungsordnung, und genauso wie gefordert wurden die Übungen auch von mir geflogen. Wir konnten den Rückweg nach Borkenberge demzufolge antreten.

Und so nutzten wir ein weiteres „Loch vom Dienst“, um kräftig Höhe abzubauen, und flogen wieder unterhalb der Wolken nach EDLB. Hier standen jetzt noch drei Sachen auf dem Zettel: Ziellandeübung (super gelaufen), Touch and Go (super gelaufen) und die Abschlusslandung ohne Klappen (hätte sanfter sein dürfen – gemäß Fluglehrer Florian W. war sie aber gut genug, da wir noch leben 😉 )

Schon beim Abrollen von der Piste ließ Prüfer Thomas Sch. durchblicken, dass diese Prüfung auf Anhieb bestanden war. Irgendwie habe ich das alles aber erst später realisiert, und so ganz begreifen kann ich das wohl immer noch nicht – Ich bin Pilot! Die ersten Glückwünsche durfte ich dann auch von meinen Freunden Andy und Bülent (der auch extra deswegen nach Borkenberge gekommen war) entgegennehmen. Die beiden haben selbst in diesem Jahr ihre PPL-Prüfung bestanden. Nun heißt es warten, denn selber fliegen darf ich erst, wenn ich auch die Lizenz in den Händen halte – das kann noch einige Tage dauern; ich hoffe in der nächsten Woche darauf.

Vielleicht ist es an der Zeit, einigen Menschen jetzt auch einen Dank auszusprechen. Ich möchte mich bedanken bei meinen Fluglehrern Christof, Martin, Sven, Florian und Jochen, die mir alles beigebracht haben, um sicher fliegen zu können und die Prüfung auf Anhieb gut zu bestehen. Dank auch an Michael, Beate und Arno, die das weitere Team der Flugschule bilden. Besonders danken möchte ich an dieser Stelle nochmal meinem Prüfer Thomas, der mich mit seiner ruhigen und fairen Art gut durch die Prüfung geführt hat und so erst gar keine Nervosität bei mir aufkommen ließ.

Danke aber auch an meine Familie, die ebenso immer an mich geglaubt hat wie meine Kollegen und Mitarbeiter, die mir immer, wenn ich fliegen wollte oder Zeit benötigte, den Rücken freigehalten hat.

Meinen „Fliegerkollegen“ und Freund Reinhard K., von dem ich mir unglaublich viel abgeschaut habe, der mir sehr viel erklärt hat und meinen Hunger auf das fliegen immer aufs Neue genährt hat – Du hast mich final „angefixt“ und veranlasst, dass ich es tatsächlich wahr gemacht habe!

Dank an Daniel Sch., den ich aufgrund seines Artikels in der „Pilot und Flugzeug“ angeschrieben hatte und der meine Frau und mich spontan zu sich in seine Küche eingeladen hat, um meine Frau davon zu überzeugen, dass ich den Pilotenschein machen müsse!

Danke natürlich auch an Euch, meine Leser, die mich immer wieder dazu veranlassten, meine Erlebnisse hier noch einmal aufzuschreiben und so vor meinem geistigen Auge noch einmal Revue passieren zu lassen – das hat dem Lernprozess sehr gut getan!

Und ganz zum Schluss an die beste Ehefrau von allen, meine Anne, die meine Gemütslagen ebenso hingenommen hat wie sie mir die Zeit gelassen hat, die ich für diese Ausbildung brauchte und nicht für andere, wichtige Dinge zur Verfügung stand und dafür, dass sie dieses Projekt dann eben doch mitgetragen hat. Das nächste wird wohl eine etwas härtere Nuss, Schatz…

Mein Weg vom Fussgänger zum Piloten, so ist der Untertitel meines Blogs. Ist der Weg nun am Ende angekommen? Mitnichten! Natürlich möchte ich jetzt erst einmal fliegen, und wenn Ihr mögt, dann berichte ich auch weiter von meinen Flügen, die ich ab jetzt alleinverantwortlich tätigen werde. Aber auch die Ausbildung muss nicht am Ende angekommen sein, man kann noch sehr viel Weiterbildung betreiben: Nacht-VFR, IFR oder weiß der Henker was noch alles. Nachtsichtflug steht dabei ganz oben auf der Wunschliste, Ihr werdet dann davon lesen….

Abschließend noch zwei Videos meiner beiden letzten Landungen mit dem vielleicht etwas euphorischen Kommentar von Andreas, der mir diese freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat:

3 Kommentare zu „Prüfungsflug: Endlich Pilot!

  1. Herzlichen Glückwunsch – Hals und Beinbruch. Mögen die Anzahl der Starts immer gleich mit der Anzahl der Landungen sein.

    Ich freue mich auf weitere Flugberichte.

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  2. Klasse Peter, herzlichen Glückwunsch – super Leistung! Ich werde deine (klasse geschriebenen) Berichte sicher vermissen aber vielleicht nimmst Du mich dafür ja einmal mit. Viel Spaß beim ausgiebigen feiern Deiner bestandenen Prüfung.

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