Zehnte Flugstunde: Arnsberg (EDLA)

Heute habe ich zum ersten Mal einen fremden Platz angeflogen!

Als ich heute die Vorflugkontrolle durchführte war zum ersten Mal etwas wenig Sprit in den Tanks, was ich Florian auch so mitteilte. Er fragte mich spontan, ob ich schon mal in Arnsberg gewesen sei, dann könnten wir dort gleich tanken und danach in Richtung Soest fliegen und dort ein wenig Airwork machen.

Es gab keinerlei Bedenken oder Einwände seitens des Flugschülers, also in die Maschine gestiegen, und Florian überlies mir auch den ersten Funkkontakt zur Dortmunder Rollkontrolle, an dessen Mikrofon die mir mittlere gut bekannte Stimme von Martin zu vernehmen war: „Dortmund Rollkontrolle, Delta Echo Foxtrott Kilo Delta.“ – „Delta Echo Foxtrott Kilo Delta, Dortmund Rollkontrolle!“ – Dortmund Rollkontrolle, Delta Echo Foxtrott Kilo Delta, eine Cessna C-172 mit 2 Personen am GAT, zum VFR-Schulungsflug nach Arnsberg.“

Leider ging es nicht so glatt weiter, weil sich irgendwo zwischen Taxiway und GAT noch eine Cessna 182 verirrt hatte und deren Position unbekannt war. Kurz darauf konnten wir aber zur Rollbahneinmündung Bravo rollen und nach Abarbeiten aller Checklisten wie schon am Freitag auf Piste 06 starten. Dortmund Tower erlaubte uns eine direkte Rechtskurve mit Kurs auf Arnsberg, so dass wir nicht über einen Pflichtmeldepunkt aus der Kontrollzone ausfliegen mussten und Kurs auf EDLA nahmen. („EDLA“ ist die internationale ICAO-Kennzeichnung für den Flugplatz Arnsberg. Dortmund etwa ist EDLW, Hamburg EDDH usw.)

Mein erster Ausflug! Im wahrsten Sinne des Wortes! Toll! Arnsberg war mir schon aus meinen zahlreichen Lektüren bekannt, denn der Flugplatz hat es (für einen Anfänger wie mich) schon ein wenig in sich: Keine normale Platzrunde aus Lärmschutzgründen, Windräder in der Nähe, und die Piste liegt auf einem Bergrücken und folgt dessen Verlauf, ist also gekrümmt. Außerdem liegt sie in einem Waldgebiet, so dass man sie erst sehr spät sieht.

Entsprechend spannend gestaltete sich der Anflug, und ich war froh mit Florian einen guten Scout dabeizuhaben, der mich in die Besonderheiten des Arnsberger Platzes und seiner Platzrunde auch in der Luft einwies. Dennoch war es schon ein leicht mulmiges Gefühl (nicht zum letzten Mal an diesem Tag!) auf diesen Berg zuzufliegen, die Piste zwar im Blick, aber wissend, dass wenn man den Endanflug zu kurz gestaltete unweigerlich in den Berg fliegen würde… mit entsprechend viel Schleppgas (so nennt man das nachtägliche Gasgeben, um doch noch ein wenig länger die Höhe zu halten um die Schwelle, den Landepunkt, zu erreichen) wurde gearbeitet, auch weil die Landebahn in Arnsberg nicht nur wesentlich kürzer, sondern auch deutlich schmaler als die gewohnte Dortmunder Piste ist. Man täuscht sich da schon ein wenig im Abstand zur Bahn, zumal ich ja bislang nichts anderes kannte als die komfortabel lange und breite Bahn in Dortmund.

Dennoch gelang die Landung ganz passabel, und wir rollten zur Tankstelle. Dort mussten wir noch ein wenig warten, da ein Helikopter vor uns Sprit gefasst hat.

Kurz darauf schoben wir die Cessna in Position (das Flugzeug wiegt ja keine 800 kg leer), und der freundliche Platzwart betankte unser Fluggerät.

Schnell gingen wir noch die Landegebühr bezahlen (gerade mal 5,72 € gegenüber 12,30 € in Dortmund – Schnäppchen!), und schon ging es wieder los mit zunächst grobem Ziel Möhnesee. Sehr deutlich könnte man die mächtige Staumauer sehen, mit der wundervollen Seelandschaft dahinter, und das alles bei strahlendem Sonnenschein… aber es blieb wenig Zeit die landschaftlichen Schönheiten zu bewundern, denn wir wollten ja ein wenig Airwork machen. Langsamflug war angesagt, eine Überzieh-Übung inklusive… da war es wieder, das mulmige Gefühl, aber ich würde es relativ schnell los, denn ich sagte mir, dass neben mir ja ein erfahrener Pilot sitzt, der weiß was er tut, der eingreift wenn es brenzlich wird, und dass das schon tausende Flugschüler vor mir gemacht haben. Und sofort verging das schlechte Gefühl, und das langsame fliegen klappte auch auf Anhieb. Man bekam ein Gefühl dafür, wann es der Cessna zu langsam wird, und wie sie sich im Grenzbereich beginnt zu schütteln und zu vibrieren. Das trug heute unheimlich dazu bei, noch mehr Vertrauen in das Flugzeug zu bekommen – ich weiß jetzt wieder etwas mehr über das Flugzeug und lerne es immer besser kennen.

Leider musste ich aus terminlichen Gründen dann auch langsam an den Heimweg denken, und so flogen wir in Richtung Norden zunächst um die Dortmunder Kontrollzone herum, um über den Pflichtmeldepunkt Whisky in Dortmund-Derne wieder einzufliegen und in den Gegenanflug in die Platzrunde einzubiegen. Da wir die Nummer 2 hinter einer Boeing waren, mussten wir unseren Gegenanflug noch ein Stück in Richtung Innenstadt fortsetzen – und hier konnte ich dann das zuvor erlernte nutzbringend einsetzen, denn ich ging in den Langsamflug über, so dass wir uns trotz des verlängerten Gegenanflugs nicht so sehr vom Flughafen entfernten. Die anschließende Landung erscheint schon fast wie Routine, Florian griff nur noch unterstützend mit ein, und die Abschlusslandung geriet zwar etwas hart, da ich ein wenig zu früh den Vogel abfing, aber ohne Beschädigungen für Mensch und Maschine.

Ein für mich einfach genialer Flug ging zu Ende, und ich habe wieder deutliche Fortschritte gemacht. So langsam wird es Zeit für das Funkzeugnis, denn erst wenn ich dieses besitze kann ich an einen Alleinflug denken – mittlerweile geistert der nämlich schon in meinem Kopf herum. Lange kann es nicht mehr dauern, bis man mich dort hat…

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