Einundvierzigste Flugstunde: Ausreichend minus

Heute hatte ich mich richtig auf das Fliegen gefreut. Aber ich ahnte schon dass es ungemütlicher wird: Die Nacht war relativ kalt, es gab trotz nachmittags guter Wärme ordentlich viele Cumulus-Wolken, das lies auf starke Thermik schließen. Und so stellte es sich dann auch heraus.

Die Runden mit Christof waren dann auch maximal mittelprächtig. Ich möchte es mal so formulieren: Ich habe zumindest nichts kaputt gemacht. Aber die Landungen waren alles andere als gut (außer eine, die richtig weich gelang – der Ehrentreffer sozusagen), und als Christof mich fragte, ob ich noch einige Runden alleine fliegen wolle, habe ich dankend abgelehnt – mir fehlte einfach die Konzentration (ich vergaß sogar die Kamera einzuschalten, daher gibt es heute kein Video) und wohl auch das Selbstvertrauen. Aber, frei nach einem Politiker: Es ist besser nicht zu fliegen, als schlecht zu fliegen!

Und als ich dann schließlich zu Christof sagte, dass ich mir, wenn ich mir eine Schulnote geben müsse, allenfalls eine „Vier“ geben würde, meinte er nur lakonisch: „Kommt hin!“

Nun ist erst einmal einige Tage Pause, im Juli geht es weiter!

Dennoch ein paar Worte zur Erklärung und ein kleiner Einblick in die Maschine:

Vierzigste Flugstunde: Echo-Sierra-November-Whisky

Gestern ging es dann gleich munter weiter mit der Ausbildung. Mit Fluglehrer Sven ging es nachmittags bei bestem Flugwetter los. Wir starteten mit einer Notfallübung (Triebwerksausfall beim Start), starteten danach durch und flogen den Pflichtmeldepunkt Echo an. Von dort ging es in einer Rechtskurve in Richtung Pflichtmeldepunkt Sierra an der Ruhr entlang. Der Plan war nun auf der 06 aufzusetzen und durchzustarten – der Turm schickte uns aber zunächst in zwei Vollkreise, da anderer Verkehr Vorrang genoss. Schließlich ging es zum Aufsetzen und Durchstarten, und wir nahmen danach Kurs auf den Pflichtmeldepunkt November, um danach von dort aus wieder in Richtung Westen abzudrehen mit dem Ziel Whisky. Der anschließende Einflug in die Kontrollzone erwies sich als problemlos, der Anflug und anschließendes Touch & Go waren akzeptabel.

Die „V“ in den blauen Punkten sind die Pflichtmeldepunkte. (Auszug aus SkyDemon)

Aber noch nicht genug der Notfallübungen: Sven hatte noch eine Ziellandeübung für mich auf dem Zettel. Also auf dieses mal knapp 2500 Fuß Höhe steigen, Maschine über die Schwelle manövrieren, Vergaservorwärmung rein und das Gas raus. Um es kurz zu machen: Die Cessna setzte genau auf der Schwelle auf, die Landung war angenehm weich. Noch einmal Durchstarten und zur Abschlusslandung.

Howe wollte Sven dann aussteigen und sagte mir, ich solle noch einige Runden alleine drehen, das Wetter ist optimal und wir wollen den Lernerfolg von Vortag ja festigen.

Nachdem Sven dann die Maschine am GAT verlassen hatte, meldete ich mich wider beim Turm und bekam die Freigabe.

Ich drehte noch vier schöne Runden (eine davon führte mich wegen eines verlängerten Gegenanflugs über den Phönixsee – da war ich vorher noch nie!), die Landungen waren zunächst passabel, später sogar ganz gut. Aber der Tag steckte mir do h in den Knochen, ich bemerkte dass meine Aufmerksamkeit nachließ und sich Müdigkeit breit machte, daher beschloss ich es für den Tag gut sein zu lassen und landete.

Gute eineinhalb Stunden war ich in der Luft, davon eine gute halbe Stunde wieder alleine – ein toller Abschluss für einen schönen Sommertag!

Nach der Landung rollte ich direkt an die Tankstelle, wo bereits Sven mit dem nächsten Flugschüler Bülent wartete. Ich half noch beim Betanken der Maschine und bekam mein durchaus positives De-Briefing von Sven.

So langsam wird es was mit der Fliegerei!

Neununddreißigste Flugstunde: Und jetzt bin ich wieder allein, allein…

Da ich heute morgen ja mit Martin geflogen war und noch ein wenig Zeit hatte, schlug mir Martin vor dass ich es doch mal allein versuchen sollte. Er müsse auch zur Arbeit auf den Turm… So würde ich an den Chef der Flugschule und Fluglehrer Michael „weitergereicht“, begab mich noch einmal durch die Sicherheitskontrollen, sagte den Mädels dort dass es dem Fluglehrer zu unsicher sei mit mir zu fliegen und dass ich das besser mal ohne ihn machen solle – ich weiß nicht wo ich noch den Humor hernahm, denn eigentlich ging mir ziemlich die Düse. Das legte sich aber im Flieger wieder, wo ich einfach alles wie immer machte, vielleicht habe ich die Checklisten noch akribischer abgearbeitet als beim Flug vorher mit Martin. Bei der Rollkontrolle angemeldet, diesmal mit dem Zusatz dass es ein Soloflug sei, zur Bahn gerollt, die Frequenz auf den Turm gewechselt (wo Martin jetzt saß) und ab damit…. ein ganz normaler Start, eine ganz normale Platzrunde, und es gab weder Grund noch Zeit für Panik – dafür aber ein unbeschreibliches Glücksgefühl! So frei und unbeschwert wie man sich fühlt, es ist schwer in Worte zu fassen. Das ist der Moment auf den man monatelang hingearbeitet hat, ein weiterer Meilenstein in der Ausbildung.

Das Aufsetzen und Durchstarten gelang wunderbar, die folgende Platzrunde hielt noch einen Vollkreis für mich bereit (ich hatte nichts dagegen), danach informierte mich der Tower noch über eine Feuerwehrübung am Platz… ich solle mir keine Sorgen machen. Tat ich auch nicht – auf dem Video sieht es vielleicht witzig aus, dass extra für mich die Flughafenfeuerwehr ausgerückt ist… aber so schlecht war ich wirklich nicht.

Die folgende Abschlusslandung gelang wie die beiden vorherigen, ich kann also fliegen!

 

Achtunddreißigste Flugstunde: Platzrunden mit Martin

Wie schon vor längerer Zeit geplant, hatte ich heute morgen eine Flugstunde mit Martin. Es standen Platzrunden auf dem Programm, eine Durchstarte-Übung haben wir auch noch einmal gemacht.

Im Gegensatz zur letzten Flugstunde mit Florian hatten wir heute Kaiserwetter: Wolkenloser Himmel, nur ganz leichter Seitenwind aus südlichen Richtungen, und morgens, wo es noch wenig Thermik erst gibt. Thermik sind ja aufsteigende Luftpakete. Durch die Sonneneinstrahlung erwärmt sich der Boden, und dieser wiederum erwärmt die Luft, die nachfolgend aufsteigt, da warme Luft eine geringere Dichte hat als Kälte und deswegen „leichter“ ist. Beim Aufsteigen kühlt sie sich wieder ab, deshalb steigt sie nur so weit auf, bis sie wieder die Temperatur der sie umgebenden Luft hat. Dabei kondensiert das in ihr gelöste (als Wasserdampf enthaltene) Wasser, es bilden sich die bekannten Cumulus-Wolken („Schäfchenwolken“). Von daher ist direkt unter einer Wilke mit Thermik zu rechnen, darüber eigentlich nicht mehr.

Wie also gesagt, es gab keine Thermik heute morgen, diese setzte erst gegen Mittag ein, und so war es ein ruhiges Fliegen mit gelungenen Landungen. Insgesamt war Martin sehr zufrieden mit mir – ein gutes Gefühl!

Leider hatte ich vergessen, meine Kamera einzustellen – was sich aber dann später aber als Glücksfall herausstellen sollte. Dazu aber mehr in der nächsten Folge!

Siebenunddreißigste Flugstunde: Das Ziel vor Augen

Auf die heutige Flugstunde habe ich mich besonders gefreut: Es ging mit Florian in die Luft. Mit ihm war ich schon lange nicht mehr geflogen.

Eigentlich hatten wir zunächst überlegt nach Arnsberg zu fliegen; nachdem wir aber ein wenig über meine Ausbildungsfortschritte gesprochen hatten meine Florian dass es besser wäre in Dortmund zu bleiben und das Ziel „Alleinflug“ zu verfolgen; ein anderer Flugplatz wäre da jetzt eher hinderlich als förderlich, und so beschlossen wir sowohl Platzrunden zu fliegen, aber auch Notverfahren, in diesem Fall Ziellandeübungen, zu praktizieren. Diese hatte ich bis dahin nämlich auch noch nicht absolviert.

Bei der Ziellandeübung wird das Flugzeug in einer Höhe von 2000 bis 2500 Fuß (in Dortmund) über die Schwelle der Landebahn gebracht; dann zieht man die Vergaservorwärmung und das Gas ganz heraus; der Motor ist nun im Leerlauf. Simuliert wird so ein Triebwerksausfall. Die Aufgabe besteht nun darin, das Flugzeug nach Möglichkeit genau auf der Schwelle zu landen. Dafür nimmt man die Geschwindigkeit für das beste Gleiten ein (bei der C172N sind das 71 Knoten – so kommt sie am weitesten) und teilt sich seinen Anflug so ein, dass es eben hinkommt.

Beim ersten Mal habe ich zu viel Platz verschenkt, wir hätten allenfalls eine Landung auf einem Acker in der Nähe des Flughafens hinbekommen. Also durchgestartet und gleich noch einmal. Beim zweiten Mal hat es schon besser gepasst, ich habe zwar nicht auf der Schwelle, aber immerhin so auf der Landebahn aufgesetzt, dass auch ein Durchstarten danach noch möglich war. Und da aller guten Dinge drei sind haben wir die Übung auch ein drittes Mal gemacht, und diesmal saß die Landung perfekt.

Überhaupt die Landungen heute: Wir hatten, ganz entgegen meiner Erwartung, nicht nur eine ekelhafte Thermik, die das Fliegen regelrecht in Arbeit ausarten ließ, sondern bisweilen auch kräftige Böen von der Seite. Wie bei Böen aber eben üblich nicht konstant, sondern unvermittelt. Und das machte weder den Steigflug noch die Landungen leicht für mich.

Nun gibt es zwei Techniken, um bei Seitenwind zu landen. Die eine ist, das Flugzeug im Sinkflug gegen den Wind zu drehen und erst im letzten Moment vor dem Aufsetzen gerade auf die Landebahn auszurichten. Dies habe ich versucht, und die Landungen gerieten bisweilen holprig, aber in keiner Weise gefährlich oder wirklich schlecht.

Wie Florian mir erklärte ist es für ein solch kleines Flugzeug wie die C172 besser, die Landebahn gerade anzufliegen und auf der dem Wind zugewandten Seite die Tragfläche etwas hängen zu lassen; so setzt man dann auch mit dem entsprechenden Rad zuerst auf und minimiert die Gefahr vom Wind „umgeworfen“ zu werden und sich möglicherweise du überschlagen.

Insgesamt wieder ein sehr lehrreicher Flug für mich, der mich wieder näher an den ersten Alleinflug gebracht hat. Und so steht heute im Ausbildungs-Protokoll auch nicht „Platzrunden“, sonder „Vorbereitung auf Alleinflug“.

Montag fliege ich mal wieder mit Martin – da freue ich mich auch drauf!

Video folgt wieder….

Sechsunddreißigste Flugstunde: Es wird immer besser…

 

Heute morgen sah es bei einer Wolkenuntergrenze von gerade einmal 700 Fuß nicht danach aus, als ob es noch in die Luft gehen würde – gegen Mittag riss die Bewölkung aber komplett auf, und Christof und ich verschoben die Flugstunde auf 13 Uhr.

Wie üblich standen Platzrunden auf dem Programm, und dieses mal funktionierte alles einfach tadellos. Angefangen beim Funk bis zu annähernd perfekten Landungen. Ich ärgere mich mittlerweile fast ein wenig, dass Christof seine Hände griffbereit in der Nähe des Steuerhorns hält, aber noch Scheine ich ihn nicht komplett überzeugt zu haben.

Viel mehr gibt es eigentlich gar nicht zu berichten – die nächste Stunde ist morgen geplant, dann wollen wir bei entsprechendem Wetter mal nach Arnsberg fliegen und dort Platzrunden fliegen.

Fünfunddreißigste Flugstunde: Happy Landings!

Die letzte Flugstunde war aus meiner Sicht ja eher etwas für die Tonne – ganz im Gegensatz dazu die heutige: Allererste Sahne!

Auch wenn es für den armen Christof zu Beginn nicht so aussah und er scheinbar am verzweifeln war, da ich mich ein klein wenig im Funk verhaspelt hatte (ich denke er hatte da ein Vorahnung, was ihm da heute wieder blühen könnte…), gestaltete sich der weitere Verlauf doch als sehr gut.

Wir flogen wie üblich unsere erste Platzrunde, und die anschließende Landung war  – butterweich! Ganz im Gegensatz zu den sonstigen ersten Landungen einer Flugstunde, die meist doch etwas hart oder holprig waren, nicht mittig auf der Bahn oder irgendetwas anderes aufwiesen, was auszusetzen war, musste ich mich dieses mal sogar selbst loben, da Christof so etwas höchst selten nur tut  („Wenn ich nix sage war’s gut!“). Er pflichtete mir dann aber doch bei, und zufrieden wurde durchgestartet und die nächsten Runden in Angriff genommen.

Uns widerfuhr der ganz normale Alltag in der Platzrunde – hier mal ein Airliner, der Vorrang bekam, dort mal ein Privatjet, und auch andere Privatpiloten mit kleinen Maschinen wie unserer Kilo-Delta, die den Turm veranlassten unseren Gegenanflug zu verlängern oder auch ein paar Kreise zu ziehen, bis die Landebahn wieder nur uns gehörte.

Und das beste war aber: Sämtliche (sic!) Landungen waren allererste Sahne! Und so beschloss Christof, dass wir mal zur Abwechslung eine Landung ohne Klappen machen wollen.

Die Klappen können in drei Stufen gesetzt werden (unsere KD hat sogar vier, von denen in der Regel aber nur drei benutzt werden). Dadurch erhöht sich zwar der Widerstand des Flugzeugs, aber auch der Auftrieb. Dies macht manisch zu Nutze, um langsamer anfliegen zu können und dadurch eine kürzere Landestrecke zu erzielen. Ebenso beim Start nutzt man 10° Klappen (Stufe 1), um mehr Auftrieb zu erhalten und die Startstrecke so zu verkürzen.

Da die Piste in Dortmund aber 2000 Meter lang ist, braucht man diese Klappen eigentlich nicht unbedingt – es ist genug Platz da um drei- oder viermal zu landen…

Also die Geschwindigkeit imAnflug auf ca. 70 Knoten reduziert und – wir kamen viel zu hoch rein. Ohne Klappen war es schwierig, ja fast unmöglich, ausreichend Höhe zu verlieren, um halbwegs in der Nähe der Schwelle aufzusetzen. Und so kündigte Christof an, das wir slippen wollen: Hierzu hängt man eine Tragfläche in den Wind, der naturgemäß aus der Richtung kommt, in die man fliegt, und hält mit dem Seitenruder dagegen. Dadurch wird ein stabiler Flugzustand erreicht, in dem aber tüchtig Höhe abgebaut wird – so, als würde man mit gesetzten Klappen anfliegen. Kurz vor dem Aufsetzen dreht man die Nase wieder nach vorne und kann dann ganz normal aufsetzen  was mir auch gut gelang. Heute hatte ich es einfach heraus, wann die Maschine abzufangen ist, und wann ich wieviel weiter überziehen musste!

Durchstarten, Vollgas, noch eine Runde! Und weil die Klappen eh nicht ausgefahren waren wurde dies auch ein Start ohne Klappen. Ich gebe zu dass Christof das nicht angeordnet hatte, aber  auch der Start glückte zufriedenstellend.

Da dies unsere letzte Runde für heute sein sollte und wir bei unseren Abschlusslandungen die Bahn nicht so sehr lange blockieren wollen, führen wir diese normalerweise als „lange Landung“ aus, das heißt wir setzen nicht auf der Schwelle auf, sonder in der Nähe der Mitte der Bahn – so kommen wir schnelle zu der nächsten Rollbahneinmündung und können die Piste für den nächsten räumen.

Wei es aber so gut geklappt hatte, schlug ich Christof vor, auch die Abschlusslandung ohne Zuhilfenahme der Klappen durchzuführen. Der Fluglehrer gab sein okay, und diesmal klappte es auch mit dem Höhenabbau (wir hatten aber, verkehrsbedingt, auch einen viel längeren Endanflug) richtig, und die Abschlusslandung gestaltete sich wieder perfekt wie die vorangegangenen Landungen. Sowohl Fluglehrer als auch Flugschüler waren sehr zufrieden!