Fünfte Nachtflugstunde: Windige Sache

Insgesamt fünf Flugstunden sind vorgeschrieben, wenn man die Nachtflugqualifikation erlangen möchte. Hierzu gehört auch ein Flug von einer Stunde Dauer mit einer Landung (mindestens Touch and Go) an einem fremden Flugplatz.

In Tagesverlauf näherte sich eine Kaltfont an Westfalen an, welche böigen Wind und nachfolgend auch Regen mit sich bringen sollte. Beim Start konnte man den wolkenverhangenen Himmel in Richtung Münsterland schon sehen…

Der Weg sollte Fluglehrer Sven B. und meine Wenigkeit entlang der A44 und danach der B1 nach Paderborn führen, dort wollten wir dann aufsetzen und durchstarten und dann wiederum entlang der A44 nach Dortmund zurückfliegen. Entsprechende Flugpläne hatte ich bereits heute Mittag aufgegeben – Nachts ist ein Flugplan immer verpflichtend; tagsüber ist dies optional möglich.

Also beim Dortmunder Turm die Genehmigung eingeholt, die Kontrollzone so wie geplant zu verlassen, anstatt über einen Pflichtmeldepunkt auszufliegen, und los ging es.

Der Start an sich war durch die Böen bis zu 30 Knoten auch schon etwas holperig, aber noch beherrschbar. Wir drehten nach links und folgten der gut erkennbaren Autobahn in ca. 2000 ft., meldeten den Ausflug aus der Kontrollzone und meldeten uns danach bei Langen Radar an.

Der Radarlotse begrüßte uns auf Deutsch, gab uns dann englischsprachig einen Squak (Transpondercode) und meldete sich dann zwischendurch noch einmal, um uns die Informationen zum Flughafen Paderborn freundlicherweise sehr ausführlich in Deutsch zu geben – scheinbar war sehr wenig los am Himmel…. Dann waren wir dank eines strammen Rückenwinds auch schon in der Nähe der Kontrollzone Paderborn, und wir durften mit dem Funk zum Paderborner Tower wechseln.

Dieser erlaubte und auch umgehend in die Kontrollzone einzufliegen (also wieder einen Pflichtmeldepunkt gespart) und uns in die Platzrunde zu begeben.

Der Wind dort war ekelig. Immer wieder erfassten starke Böen das Flugzeug, und ich war (wieder einmal… 🙄) heilfroh, dass Sven neben mir saß sind mir Sicherheit gab. Auch dass seine Hände immer mit am Steuerhorn waren fand ich in keiner Weise schlimm, im Gegenteil.

Irgendwie rotzte ich die arme Kilo-Delta auf die Piste, gab Gas und war schon bald dank des direkt auf der Bahn stehenden, starken Windes wieder in der Luft, wo es uns auch umgehend wieder ordentlich durchschüttelte. Die Sicht in 2000 ft. war auch schlechter als auf dem Hinflug, später fing es auch noch an leicht zu regnen. Wir gingen auf 1500 ft, dort war die Sicht etwas besser, und folgten wieder der A44, dieses Mal gegen den Wind in Richtung Westen.

Flug in Richtung Paderborn

Nachdem wir uns wieder von Langen Radar verabschiedet hatten, wo wir uns nach Verlassen der Paderborner Kontrollzone wieder angemeldet hatten, teilte uns der Dortmunder Turm mit, dass wir das Rennen mit dem gleichzeitig im Anflug befindlichen Airbus verlieren werden würden und besser einen Vollkreis links fliegen sollten… also eine Extrarunde geflogen, danach war der Weg frei und wir konnten den anfliegenden Airbus noch bei seiner Landung beobachten.

Fast wie bei „Jagd auf Roter Oktober“: Das rote Licht blendet nicht und schont die Augen bei Nacht

Über Unna drehten wir in den Endanflug, und eigentlich erwarteten wir ein ähnliches Gewürge wie in Paderborn, da uns auch auf dem Rückflug immer wieder kräftige Böen misshandelten. Dieses Mal ging es aber eigentlich; klar, ich hatte auch schon deutlich ruhigere Landungen, aber dieses Mal war es doch deutlich angenehmer als zuvor in Paderborn.

Somit darf ich jetzt meine Lizenz zur Bezirksregierung schicken und mir eine neue mit der vermerkten Nachtflugqualifikation ausstellen lassen. Wieder ist ein kleiner Meilenstein geschafft – mal sehen wohin mich die Fliegerei noch so führt!

4 Kommentare zu „Fünfte Nachtflugstunde: Windige Sache

  1. Mein Fluglehrer wäre bei den von Dir beschriebenen Wetterverhältnissen nicht geflogen – was ich auch für richtig gehalten hätte! Schön, dass Ihr gut gelandet seid – hätte auch schiefgehen können, wenn sich Sicht und Wind noch ungünstiger entwickelt hätten – es sei denn, Du hast im Bericht etwas dramatisiert…

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    1. Der Wetterbericht war weitaus günstiger. Böen waren bis max. 25 kt. angesagt, auch sollte der Wind sich im Verlauf des Abends abschwächen.
      Ich denke nicht, dass wir zu irgendeiner Zeit gefährdet waren. Ich beschreibe alles aus der Sicht eines „Jungpiloten“ mit bisher wenig Erfahrung und bin wohl noch leicht zu beeindrucken.
      Letztendlich wächst man mit seinen Aufgaben. Ich würde diesen Flug jederzeit wiederholen.

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      1. Er war zu Beginn ja auch nicht kritisch, allenfalls herausfordernd, und nur in Paderborn sehr unangenehm.
        Wie immer gibt es eben Landungen, die schön gelingen, und solche, die schlecht gelingen (aber immer noch gelingen, sonst wären wir nicht weitergeflogen). Die Abschlusslandung war problemlos.

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